Lesetipp von
Sybille Kramer
11.06.2024

Eigentlich lese ich ja eher selten Kinder- und Jugendbücher. Bei diesem Buch bin ich über den ungewöhnlichen Titel gestolpert und nach der Lektüre des Klappentextes musste ich eine Ausnahme machen...
Im Mittelpunkt der Geschichte steht die zwölfjährige Dagny, die mit ihren Eltern, dem großen Bruder und Hund Zorro in einer Stadt in Island lebt. Als die Sommerferien fast zu Ende sind, entscheiden die Eltern, dass die gesamte Familie plus Hund zur Oma auf eine kleine Insel fahren. Hört sich erstmal normal an. Aber Dagny hat ihre "Oma Insel" noch nie kennengelernt. Ihr Vater hat irgendwann die Insel, auf der er aufgewachsen ist, verlassen und ist nie wieder zurückgekehrt. Jetzt ist die Oma nach einem Beckenbruch auf Hilfe angewiesen und das Mädchen freut sich, endlich ihre Oma kennenzulernen. Also wird gepackt und nach einer Fahrt mit der Fähre ist die wirklich kleine Insel erreicht. Es gibt viele Felsen, ein paar Hügel und in der Mitte ein zwölfstöckiges Hochhaus, in dem alle der etwa zweihundert InselbewohnerInnen leben. 
Unsere Protagonistin versucht gleich Kontakt zu den Kindern aufzunehmen, die sie bei der Ankunft trifft. Doch die sind etwas seltsam und irgendetwas stimmt auf der Insel ganz und gar nicht. Oma Insel, die im Hochhaus die Hausmeisterin ist, weiß nichts von dem Besuch, der plötzlich vor ihrer Wohnungstür steht und begeistert ist sie auch nicht davon. Das hat sich Dagny anders vorgestellt. Als sie und ihr Bruder Ingo auch noch feststellen, dass es auf der Insel kein Internet gibt, sagen sie ihren Eltern, dass sie mit der nächsten Fähre wieder nach Hause wollen. Jetzt müssen die Eltern langsam mit der Sprache herausrücken. Es war von ihnen die ganze Zeit geplant, länger auf der Insel zu bleiben, weil es so einige Probleme in der Stadt gibt. Und die nächste Fähre kommt tatsächlich erst im nächsten Jahr im Mai ... Jetzt müssen sich die Neu-Insulaner an die Gepflogenheiten im Hochhaus anpassen, ihre Arbeitskraft einbringen und sogar zur Stromerzeugung beitragen. 
Dagny erzählt uns aus ihrer Sicht, wie sie mit der neuen Situation klarkommt, was sie für Freundschaften schließt und was sie Spannendes im Hochhaus und auf der Insel erlebt. Am Ende hat sie einige Abenteuer überstanden und eine richtig tolle Oma. Die Geschichte ist super zum Vorlesen und macht der ganzen Familie Spaß, weil sie so schön schräg ist. Und es gibt natürlich ein Happy End; vielleicht sogar für dieses Buch, das beim Deutschen Jugendliteratur Preis 2024 in der Kategorie Kinderbuch nominiert ist.
Für alle von 11 bis 99, die auch Marc-Uwe Klings Kinderbücher mögen.

Illustriert von Felicitas Horstschäfer

Übersetzung: Gisa Marehn
Kinderbuch ab 10 Jahren
Arena, 16,00 €

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